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Kulturlandschaft in Gefahr!
Resolution IG Baupflege April 2010
Schweriner Erklärung BUND HEIMAT UND UMWELT Mai 2010

Einzigartige Kulturlandschaft Eiderstedt


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Ein besonderer Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Eiderstedter Kulturlandschaft. In diesem Zusammenhang beleuchten wir die Möglichkeiten, diese besondere Kulturlandschaft Eiderstedts für eine nachhaltige Zukunftsperspektive zu nutzen.

Um überhaupt eine Zukunftsperspektive entwickeln zu können, ist es zunächst einmal wichtig, zu schauen, was haben wir hier in Eiderstedt und woraus ließe sich etwas weiter entwickeln?
Klar ist, dass wir geringe Chancen haben, Industrieunternehmen oder Industriegebiete in Eiderstedt anzusiedeln. Wir haben als Haupteinnahmequelle den Tourismus und die Landwirtschaft, wir haben Dienstleistungsgewerbe, Handwerksbetriebe und Handel. Neben den Einheimischen und Touristen sorgen Zweitwohnungsbesitzer und Zugezogene für Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen.
Und wir haben neue wesentliche Rahmenbedingungen für Eiderstedt:
Zunächst die Ausweisung eines 7.030 ha großen EU-Vogelschutzgebietes, dann Ende 2008 die Stellungnahme des Kreises Nordfriesland zum Entwurf des Landesentwicklungsplanes (LEP). Der Kreistag hat in seiner Stellungnahme zum LEP gefordert, ganz Eiderstedt als Schwerpunktraum für Tourismus auszuweisen und auf neue Windeignungsflächen in Eiderstedt zu verzichten. Stellungnahme LEP

Ein besonderes Highlight war dann im Juni 2009 die Anerkennung des Wattenmeeres als Weltnaturerbe durch die Welterbe-Kommission der UNESCO. Dieses Prädikat erhält nur, was außergewöhnlichen Wert hat und von so großer Bedeutung ist, dass der Erhalt für die gesamte Menschheit wichtig ist. Unser Nordsee-Wattenmeer ist weltweit das größte zusamnnenhängende Wattgebiet und stellt eine außergewöhnlich dynamische Landschaft dar. Nirgendwo auf der Welt hat sich unter dem Einfluss der Gezeiten eine vielfältigere Landschaft entwickelt, die sich noch heute immer wieder verändert. Ein ausgedehntes System aus großen Wattströmen und kleinen Prielen durchzieht weite Wattflächen und säumt feste, trocken fallende Sände. Muschelbänke, dichte Seegraswiesen und weiches Schlickwatt bieten vielen Tieren Nahrung. Es ist als Zwischenstopp und Rastgebiet für Millionen von Zugvögeln unverzichtbar. Blühende Salzwiesen im ausgedehnten Deichvorland und auf Inseln und Halligen wechseln ab mit weißen Stränden und Dünen. Diese Vielseitigkeit der Landschaft macht das Wattenmeer zu einem einzigartigen Lebensraum für mehr als 10.000 Tier- und Pflanzenarten.

Darüber hinaus haben wir hier, wie bereits angesprochen, eine höchst bedeutsame Kulturlandschaft. In unserer Region haben die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur über einen Zeitraum von 2000 Jahren vielfältige und einzigartige Spuren in der Landschaft hinterlassen, die außergewöhnlich und immer noch vergleichsweise gut erhalten sind. Man kann in dieser Landschaft lesen, wie in einem offenen Geschichtsbuch:
So ist in dieser kultivierten Landschaft beispielsweise das Landschaftsprofil aus vergangenen Zeiten immer noch erkennbar. Alte Deiche bezeugen die schrittweise Eindeichung über nahezu 1000 Jahre. Siedlungen, sowohl früherer Zeiten als auch heute, liegen auf den höher gelegenen Teilen der Naturlandschaft.
Dörfer und Städte belegen eine 2000-jährige Besiedlung der Marsch und ihrer ökonomischen und sozialen Beziehungen mit Gegenden außerhalb der Wattenmeerregion. Merkmale der Kulturlandschaft in der Wattenmeerregion sind Wurten, Bauernhöfe, Flureinteilungen, Entwässerungssysteme usw. Sie charakterisieren die Gegend, spiegeln eine Jahrhunderte lange landwirtschaftliche Nutzung auf den Inseln, wie auch auf dem Festland wider. Altdeiche und moderne Seedeiche bezeugen z. B. die fortschreitenden Eindeichungen zur Gewinnung von Agrarland.
Diese Landschaft stellt das kulturelle Erbe der einheimischen Bevölkerung dar. Sie ist das Bindeglied zwischen den hiesigen Traditionen, wie Ringreiten, Klootstockspringen, wie den Trachten, der Sprache. Jede Generation ist verpflichtet, dieses Erbe an ihre Kinder und Kindeskinder weiterzugeben. Gerade in einer globalisierten Welt, in der vieles immer einheitlicher wird, ist es wichtig, Identitätsstiftendes zu erhalten und zu pflegen.

Unsere Region hat mit dieser einzigartigen Landschaft ein Alleinstellungsmerkmal, um das uns andere Regionen beneiden. Dieses Alleinstellungsmerkmal beinhaltet Chancen. Für den Tourismus fanden in den vergangenen Jahren bereits geglückte Inwertsetzungen, wie z. B. durch die Tourismuszentrale Eiderstedt statt. So gibt es Angebote wie den „Blick über den Zaun“, die kulturhistorischen Radwandertouren usw.

Ohne Erhalt dieser unverwechselbaren Landschaft, die unsere Gäste als erholsam und wohltuend empfinden, ist die touristische Weiterentwicklung fraglich. Ein großer Teil der Eiderstedter Bevölkerung, nicht nur in St. Peter-Ording, ist haupt- oder nebenberuflich im Tourismus beschäftigt. Beispielsweise in der Vermietung oder der Gastronomie oder in Handwerksbetrieben, die an der Ausstattung und Instandhaltung von Vermietungsobjekten in der gesamten Landschaft beteiligt sind. Zudem sorgt der Tourismus für eine entwickelte und qualitativ für den ländlichen Raum überdurchschnittliche Infrastruktur, von der die gesamte Bevölkerung profitiert.

Ohne Erhalt dieser unverwechselbaren Landschaft wird es auch keinen nennenswerten Zuzug von Menschen nach Eiderstedt geben, was bei rückläufigen Bevölkerungszahlen kaum zu verantworten ist. Im Vergleich zu anderen ländlichen Gebieten gilt unsere Region aufgrund der unverwechselbaren Landschaft, des hohen Erholungswertes sowie ihres touristischen Potenzials als attraktiv und jedes Jahr entscheiden sich Menschen aus anderen Gegenden Deutschlands, sich hier niederzulassen.

Wir brauchen neue Ideen, Engagement, Tatkraft und Durchhaltevermögen, das wir vom Eiderstedter Forum gerne einbringen wollen. Vielleicht haben Sie Lust uns dabei zu unterstützen?